Zwischen Wirtschaftswunder und Krise - Die Geschichte der Möbelindustrie in Uslar

Das Holz war schon immer die wichtigste Ressource des Sollings.

Basierend auf diesem Rohstoff, entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine holzverarbeitende Industrie die vor allem Möbel, aber auch Handwagen, Schlitten usw. herstellte. Bedeutend waren vor allem die Sollinger Holzwarenfabrik, die Firma Neugarten und Eichmann sowie die ILSE-Möbelwerke, die ihre Konkurrenten im Laufe der Zeit übernahm und als einziger dieser Betriebe auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter bestand. Die große Nachfrage nach Möbeln, wie dem berühmten Nierentisch, machten ab den 1950er Jahren aus den ILSE-Möbelwerken den größten Kleinmöbelhersteller Europas. In vier über das Stadtgebiet verteilten Werken produzierten in Spitzenzeiten bis zu 2.800 Mitarbeiter die Produkte der Firma. Ein Dokumentarfilm aus den 1950er Jahren, mit dem Titel "Vom Stamm zum Einzelmöbel", macht deutlich, dass ILSE vom Fällen des Baumes bis zur Auslieferung der Möbel alle Arbeitsschritte selbst bewerkstelligte.

Berühmt waren vor allem die "Trambusse" und eigenen Güterwagen der Möbelwerke, die als rollende Werbung unterwegs waren. Ein Großereignis, an das sich bis heute viele Uslarer erinnern, waren zum Beispiel auch die Weihnachtsfeiern der Firma. Im ILSE-Theater erfreute der Weihnachtsmann alle Kinder der Arbeiter und Angestellten mit wertvollen Geschenken. Die dominante Stellung des Betriebes wurde dem Besucher übrigens schon an den Stadtgrenzen klar. Dort waren hölzerne Schilder mit dem Firmenlogo und der Aufschrift "Uslar - Stadt der ILSE-Möbel" aufgestellt.

In den 1980er Jahren verschlechterte sich die Wirtschaftslage der Firma immer mehr und führte schließlich zu ihrem Niedergang. Ein großer Teil der Fabrikgebäude wurden abgerissen. Die noch bestehenden dienen nach Umbauten heute als Wohnungen, Gewerbeflächen und Seniorenheim. Die in den 1930er Jahren erbaute ILSE-Siedlung erinnert noch heute an die einstige Bedeutung der Möbelwerke.

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